Baden
 
Verkehr

Kunststraßen/Chausseen
Für Bau und Unterhalt der Straßen werden im Großherzogtum Baden mit der Chausseeordnung vom 7. Mai 1810 vereinheitlichende Rahmenrichtlinien festgelegt, nach denen die Straßen in mehrere Kategorien eingeteilt und die Unterhaltskosten dem Staat oder den Gemeinden bzw. Gemeindegruppen zugewiesen werden.
Um 1830 verfügt Baden über rund 2.300km Staatsstraßen.
1850 sind die Hauptstädte des Landes (Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg) durch Straßen im Oberrheintal in Nord-Süd-Richtung verbunden, Ost-West-Verbindungen durch den Schwarzwald sind hingegen selten. Im Bodenseegebiet existiert ein regionales Straßennetz, das an Württemberg und die Schweiz angebunden ist.
Bis 1900 ist das unter Staatsverwaltung stehende Chausseenetz auf 10.570km angewachsen.


Eisenbahnen
Mit dem Eisenbahngesetz vom 29. März 1838 entschließt sich das Großherzogtum Baden, den Eisenbahnbau auf Staatskosten zügig voranzutreiben. 1840 ist mit der Linie Mannheim-Heidelberg die erste Eisenbahnverbindung fertiggestellt. Begünstigt durch die optimalen Baubedingungen in der oberrheinischen Tiefebene ist bis 1847 eine große Nord-Süd-Verbindung, die Strecke Mannheim–Heidelberg–Karlsruhe–Baden-Baden–Freiburg–Schliengen, hergestellt. Sie hat als Besonderheit die Verwendung einer breiten Spurweite von 1,6m. Erst 1854 wird diese und die übrigen badischen Strecken auf „Regelspur" (1,435m) umgebaut.
Um 1850 umfasst das Streckennetz 276km, Ende 1885 bereits 1.209km (GIS-Wert).


Wasserstraßen
Die schiffbaren Flüsse des Großherzogtums sind Rhein, Main und Neckar.
Der Rhein ist 1850 erst ab Mannheim nutzbar, wo er Schiffe mit einer Tragfähigkeit bis zu 400t befördern kann. Nach Fertigstellung der von dem badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla (1770-1828) im Jahre 1818 begonnenen und 1872 in Zusammenarbeit mit Frankreich und Bayern fertiggestellten Korrektionen des Oberrheins verbessert sich die Rheinschifffahrt erheblich. 1874 ist die Strecke Mannheim-Karlsruhe bereits für Schiffe bis 600t befahrbar und 1903 ist die gesamte Strecke von Mannheim bis Kehl für Schiffe mit einer Tragfähigkeit bis zu 3.000t ausgebaut.
Der Main befördert auf badischem Staatsgebiet 1850 bis 1892 Schiffe mit einer Tragfähigkeit bis zu 200t, ab 1893 bis zu 400t.
Der Neckar kann 1850 lediglich Schiffe bis 100t Tragfähigkeit befördern, wird aber in der Folge weiter ausgebaut: 1874 befördert er auf der Strecke Mannheim-Heilbronn Schiffe mit einer Tragfähigkeit bis zu 200t, 1893 bereits bis zu 400t.
Die Bodenseeschifffahrt wird bis 1903 für Schiffe mit einer Tragfähigkeit bis zu 400t ausgebaut.


See- und Binnenhäfen
Der bedeutendste Hafen des Großherzogtums und des gesamten süddeutschen Raumes ist der Mannheimer Hafen, der seit 1828 Freihafen für den Rhein und seit 1831 auch Freihafen für den Neckar ist. Entscheidend für die Entwicklung zum zweitgrößten europäischen Binnenhafen nach Duisburg-Ruhrort ist die Verbindung von Schifffahrts- und Schienenwegen in Mannheim. Im Jahre 1840 wird sowohl die neue Bahnstrecke Mannheim-Heidelberg, als auch der neue Rheinhafen fertiggestellt.
Weitere badische Rheinhäfen sind Rheinau, Leopoldshafen, Karlsruhe und Kehl. Bedeutendster badischer Mainhafen ist Wertheim, wichtigster Neckarhafen Mannheim.
Am Bodensee wird 1826 Ludwigshafen gegründet und der Konstanzer Hafen sukzessive ausgebaut.




Mannheim: Bahnhof, 1918


Mannheim: Vogelschauplan, um 1900


Wertheim, 1842/47