Preußen
 
Verkehr

Kunststraßen/Chausseen
Preußen macht unmittelbar nach der napoleonischen Zeit große Anstrengungen, um ein modernes Chausseenetz aufzubauen. Impulse gehen dabei vor allem von Westfalen aus. Um 1850 hat die Monarchie ein Chausseenetz das allerdings sehr unterschiedlich geprägt ist. In den östlichen Provinzen dominieren wenige, dafür sehr lang gezogene Straßenverbindungen. In Brandenburg und den mittleren Provinzen laufen die Straßen sternförmig auf Berlin zu. Die Verbindung in die westlichen Provinzen verläuft über hessisches Territorium, was Preußen schon früh veranlasst, zur Absicherung den Preußisch-Hessischen Zollverein zu begründen. In den Westprovinzen findet sich das dichteste Straßennetz der Monarchie. Alle Provinzhauptstädte wie auch die Hauptstädte der Regierungsbezirke sind 1850 an das Chausseenetz angeschlossen.
Im April 1900 beläuft sich die Länge sämtlicher Chausseen des Königreichs Preußen auf 95.945km, davon sind 32.731km Provinzial-, 46.198km Kreis-, und 4.721km Gemeindestraßen. Dazu kommen noch 2.295km Privatchausseen.


Eisenbahnen
Die ersten Eisenbahnverbindungen im Königreich Preußen werden im Jahre 1838 von Berlin nach Potsdam und von Düsseldorf nach Erkrath fertiggestellt. Es folgen die Strecken Magdeburg-Leipzig (1840), Köln-Aachen (1841), Berlin-Frankfurt/Oder (1842), Berlin-Stettin (1843), Köln-Düsseldorf (1845), Berlin-Hamburg (1846), Berlin-Breslau (1847), Berlin-Magdeburg-Hannover-Köln (1850), Berlin-Danzig (1852) und schließlich Berlin-Königsberg (1857).
Im Westen Preußens, insbesondere im Rheinland und im Ruhrgebiet, sind es private Investoren und Bürgerkomitees, die den Eisenbahnbau forcieren. In den preußischen Ostgebieten wird der Ausbau des Eisenbahnnetzes seit 1842 mit staatlichen Mitteln unterstützt. 1846 sind bereits 4.567km Eisenbahnlinien in Betrieb.
Die systematisch betriebene staatliche Eisenbahnpolitik des von 1848 bis 1862 amtierenden preußischen Handelsministers August von der Heydt (1801-1874) führt dazu, dass schließlich die Hälfte der preußischen Eisenbahnen mittelbar oder unmittelbar in den Besitz des Staates kommt und das Eisenbahnwesen durch seine Streckenführung und eine fast militärische Präzision des Betriebes auch militärisch verwendbar wird. Die für private Finanziers wenig rentabel erscheinende preußische Ostbahn wird 1849 zum ersten rein staatlichen Eisenbahnprojekt Preußens und zum Prestigeobjekt, dem die 1857 fertiggestellte Weichselbrücke bei Dirschau eindrucksvoll Ausdruck verleiht. Die großen Privatbahnen im Westen, die zwischen 1837 und 1843 gegründete Köln-Mindener, Bergisch-Märkische und Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, gehen erst im Zuge der umfassenden Verstaatlichungen ab 1879 unter Ministerpräsident Otto von Bismarck (1815-1898) in den Staatsbesitz über.
Durch den Ausbau des Streckennetzes in sämtliche Richtungen entwickelt sich die preußische Hauptstadt Berlin bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten deutschen Eisenbahnknoten. Die sieben Hauptbahnlinien, die jeweils über einen eigenen Kopfbahnhof verfügen, werden allerdings erst 1882 durch die Stadtbahn verbunden, die auch Anschluss an die 1877 fertiggestellte Ringbahn um Berlin herum hat.
Die Länge sämtlicher preußischer Eisenbahnen beläuft sich im Betriebsjahr 1885 auf 20.908km (GIS-Wert).


Wasserstraßen
Um 1900 hat Preußen 209 schiffbare Flüsse und Kanäle mit einer Gesamtlänge von über 10.000km.
Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind Rhein, Elbe, Oder, Weichsel, Peene, Havel, Spree, Weser und Mosel.
An wichtigen Kanälen sind 1903 fertiggestellt der Bromberger Kanal (26,3km) der Weichsel und Oder verbindet, der Finowkanal (43,1km) zwischen Oder und Havel, der Friedrich-Wilhelm-Kanal (27km) und der Oder-Spreekanal (100,6km) zwischen Oder- und Elbgebiet, der Kaiser Wilhelm-Kanal (98,6km) der Nord- und Ostsee miteinander verbindet sowie der Dortmund-Emskanal (271,3km).
1905 bewilligt der Landtag den Bau des Mittellandkanals zur Verbindung des Rheins mit der Leine bei Hannover. Der 213km lange Bauabschnitt bis Hannover ist 1916 fertiggestellt. Bis 1938 wird der Kanal bis Magdeburg fortgeführt und ist dann mit einer Gesamtlänge von 321km die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands.


See- und Binnenhäfen
Nach Hamburg und Bremen ist der preußische Hafen Stettin der drittgrößte Handelshafen des Deutschen Reichs, gefolgt von Kiel, Flensburg, Danzig und Geestemünde.



Berlin: Bahnhof der Berlin-Potsdamer Eisenbahn, 1843


Medaille zur Fertigstellung der 1.000 Borsig-Lokomotive, 1858


Eisenbahnbrücke über die Weichsel bei Dirschau, 1855


Aktie der Berliner Nordbahn, 1870


Modell der Dampflokomotive G3 der Preußischen Staatsbahn


Berlin: Spreeufer, 1909