Hannover
 
Wirtschaft

Bodennutzung und Landwirtschaft
Das Königreich Hannover bleibt bis zum Ende seines Bestehens 1866 agrarisch geprägt. Staatlicherseits wird die Landwirtschaft weit mehr gefördert als Gewerbe und Industrie. Das Ablösungsgesetz von 1831/33 ermöglicht den Bauern, unterstützt durch staatliche Kredite, ihr Land aus der Grund- und Gutsherrschaft freizukaufen. Das 1842 erlassene Gesetz über die Verkoppelungen sorgt dafür, dass die zersplitterten Ackerparzellen zu vernünftigen Einheiten zusammengefasst und den beteiligten Höfen in erreichbarer Entfernung zugeteilt werden.
Die landwirtschaftliche Produktion ist je nach Region sehr verschieden. Am ertragreichsten sind der südliche Landesteil mit den Lößgebieten zwischen Hannover und Hildesheim sowie die Marschgebiete der Nordseeküste.


Bergbau
Die Schwerpunkte im Bergbau Hannovers liegen bei Steinkohle und Eisenerz.
Die wichtigsten Steinkohlevorkommen befinden sich südwestlich von Hannover, südlich von Osnabrück und östlich von Hameln. Die Steinkohleförderung ist mit 46.772t im Jahre 1850 und 355.142t im Jahre 1866 weitaus bedeutender als der Braunkohleabbau, der mit 7.147t im Jahre 1861 seinen Höchstwert erreicht.
Silber, Kupfer, Blei und Eisenerz werden vornehmlich bei Claustal abgebaut. Die Eisenerzförderung beläuft sich 1850 auf 28.350t pro Jahr und steigert sich bis 1866 auf 240.112t.
Gemeinsam mit Braunschweig betreibt das Königreich Hannover die sogenannte Kommunion-Unterharz zwischen Langelsheim und Oker, die hauptsächlich Blei, Kupfer, Silber und etwas Gold gewinnt.


Gewerbe und Industrie
Die eigentliche Industrialisierung setzt in Hannover erst unter preußischer Verwaltung ein. Ebenso wird erst nach 1866 die Gewerbefreiheit durchgesetzt.
Im Königreich Hannover werden nach der napoleonischen Zeit die Zünfte wiederhergestellt. Die zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch bedeutsame, vornehmlich auf dem Lande betriebene Leinenherstellung, ist gegenüber modernen mechanisierten Produktionsformen, wie sie vor allem in Großbritannien entwickelt werden, immer weniger konkurrenzfähig. Einziger bedeutsamer Industriestandort ist das in der Landdrostei Hannover gelegene Linden, wo vor allem Maschinenbau, Eisenguss, Textil- und Farbenfabrikation angesiedelt sind.
Die Roheisenproduktion liegt 1850 bei 13.691t pro Jahr und steigert sich bis 1866 auf 67.415t.


Handel
Der Handel entspricht der Wirtschaftsstruktur des Landes und ist auf Produkte der Landwirtschaft und des Bergbaus ausgerichtet. Importiert werden vor allem über Bremen sogenannte Kolonialwaren wie Kaffee und Tee. Die wichtigsten Handelszentren sind Hannover, Goslar, Hameln und Emden.

Währung, Maße, Gewichte
Währungseinheit in Hannover ist der Taler zu 24 Groschen à 12 Pfennigen. Maß und Gewicht werden 1836 für das gesamte Königreich vereinheitlicht. Als Längenmaß besteht der Fuß, Flächenmaß ist der Morgen und Handelsgewicht der Zentner.



Königreich Hannover, 1/2 Groschen, 1858