Waldeck
 
Wirtschaft

Bodennutzung und Landwirtschaft
Im bäuerlich bestimmten Waldeck sind Ackerbau und Viehzucht seit Jahrhunderten Hauptnahrungsquelle und Grundlage des Wirtschaftswesens. Vorherrschend ist der bäuerliche Klein- und Mittelbetrieb, Großbetriebe sind kaum vorhanden.
Hauptprodukte des Ackerbaus sind Hafer, Roggen, Kartoffeln und Futterkräuter. Obst wird besonders in der Edergegend angebaut, der Schwerpunkt liegt Äpfeln und Pflaumen. Rinderzucht ist Hauptnahrungszweig und dient sowohl der Schlachtung als auch der Butter- und Käseproduktion. Die Schafzucht ist bedeutend, Wolle eines der wichtigsten Landeserzeugnisse.
Wild wird in den zahlreichen Wäldern viel gejagt. Im Fischfang ist die Forelle vorrangig.
1904 werden in Waldeck und Pyrmont 6.838 Pferde, 31.159 Rinder, 28.440 Schafe, 42.457 Schweine, 8.895 Ziegen und 3.553 Bienenstöcke gezählt.


Bergbau
An Rohstoffen verfügt Waldeck vornehmlich über Kupfer und Eisen. Die Eisenerzförderung beläuft sich 1850 auf 1.200t und erreicht 1893 einen Höchstwert von 42.228t. Zudem gibt es eine Saline in Oesdorf, die um die Jahrhundertwende an die 4.000 Zentner Salz produziert sowie Marmor- und Alabasterbrüche.

Gewerbe und Industrie
Bis in die 1880er Jahre sind so gut wie keine Ansätze einer Industrialisierung im Fürstentum Waldeck vorhanden. Die in Waldeck bedeutende Schafzucht dient als Rohstofflieferant für in Heimarbeit betriebene Wollwebereien, vor allem in Wildungen, Korbach und Sachsenhausen. Ein bedeutender Gewerbezweig ist das Branntweinbrennen, das allerdings nicht fabrikmäßig betrieben wird. Die Eisenherstellung in Waldeck ist mit veralteten Betriebseinrichtungen im Vergleich zur rheinisch-westfälischen Eisenproduktion nicht konkurrenzfähig. Die Roheisenproduktion liegt 1850 bei 433t was im Zeitraum bis 1875 auch der Höchststand ist. Sie endet 1875 mit einer Förderquote von 171t. Die Stahlproduktion beläuft sich 1850 auf 320t und erreicht 1860 mit 493t einen Höchststand. Bis 1883 ist sie auf 62t abgesunken.
Die Nutzung der Mineralbäder Pyrmont und Niederwildungen nimmt im Verlauf des 19. Jahrhunderts stetig zu.


Handel
Der Waldecker Handel erreicht im 19. Jahrhunderts aufgrund der ungünstigen Verkehrsanbindung keine größere Ausdehnung.
Kurhessen ist als Handelspartner für das Agrarland Waldeck von weitaus größerer Bedeutung als Preußen. Hauptabsatzort ausgeführter Wolle sind die mehrmals im Jahr stattfindenden Wollmärkte in Kassel.
Der nach den Napoleonischen Kriegen stark angestiegene Absatz von waldeckischem Branntwein ins Ausland - über die Hälfte des jährlich in Waldeck produzierten Branntweins von rund 1,5 Millionen Litern setzen die Brenner in kleinen Quantitäten ins Ausland ab - kommt nach Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 und der damit verbundenen ausländischen Konkurrenz fast zum Erliegen.
Die Ausfuhr des Wildunger Mineralwassers liegt 1904 bei 1,4 Millionen Flaschen.


Währung, Maße, Gewichte
Die Währung entspricht dem kurhessischen Dreißigtalerfuß.
Als Längenmaß gilt der waldeckische Fuß à 12 Zoll.
Flüssigkeitsmaß ist die Ohm mit 100 Maß zu 1 Liter entsprechend der in Frankfurt am Main gültigen.
Handelsgewicht ist das Pfund.




Waldeck, 1 Pfennig, 1867