Regierungsbezirk Hohenzollernsche Lande (Sigmaringen)
 
Bevölkerung/Wirtschaft/Verkehr
Im Gründungsjahr 1852 liegt die Einwohnerzahl des Regierungsbezirks Hohenzollernsche Lande bei 65.634. Bis 1905 hat sie sich um lediglich 4% auf 68.282 erhöht.

Die Haupterwerbsquellen bilden Ackerbau und Viehzucht. Gewerbe und Handel sind nachrangig. Nach der Viehzählung vom 1. Dezember 1900 gibt es in den Hohenzollernschen Landen 5.541 Pferde, 47.906 Rinder, 7.804 Schafe, 27.898 Schweine, 3.347 Ziegen und 7.866 Bienenstöcke.
Eisenerz wird 1854 noch aus 127 Gruben gefördert, 1872 nur noch aus 23 Gruben mit stetig abnehmender Ertragsquote. 1852 wird ein Steinsalzlager zwischen Stetten und Owingen entdeckt, so dass die Hohenzollernsche Bevölkerung nicht mehr auf den Import aus Württemberg angewiesen ist. Weitere Bodenschätze sind Gips, Kohlen, Torf und einige Mineralquellen.
Der Regierungsbezirk ist kaum industrialisiert. Die bezirksweit erste Dampfmaschine wird 1850 für eine Sägemühle in Betrieb genommen. Eisen- und Stahl werden nur in unbedeutenden Mengen vornehmlich in der fürstlichen Eisengießerei in Laucherthal produziert. Erwähnenswert sind zudem die Baumwollfabriken in Haigerloch, Hechingen, Gammertingen und Laucherthal.

1848 gewährleistet ein Chausseenetz sowohl die Verbindung zwischen den beiden Hauptorten Hechingen und Sigmaringen als auch die Anbindung an badische und württembergische Handelsstädte.
Im Gründungsjahr 1852 verfügt der Regierungsbezirk Hohenzollernsche Lande über keinerlei Eisenbahnen. Erst 1865 schließt Preußen mit Württemberg und Baden Staatsverträge, die diesen beiden Staaten die Streckenführung durch Hohenzollern gestatten. So entstehen erste Eisenbahnlinien, deren Führung allerdings ausschließlich badischen und württembergischen Interessen entspricht, da diese allein die Kosten tragen. Durch hohenzollernsches Gebiet führen ab 1867/68 die württembergischen Bahnlinien Horb-Rottweil, ab 1869 Tübingen-Hechingen, ab 1874 Hechingen-Balingen, ab 1873 Sigmaringen-Scheer, ab 1875 Altshausen-Ostrach, ab 1878 Balingen-Sigmaringen und ab 1890 Inzigkofen-Tuttlingen. Die badischen Strecken Stockach-Pfullendorf, Meßkirch-Ablachtal-Sigmaringen und Meßkirch-Ablachtal-Mengen werden zwischen 1873 und 1875 in Betrieb genommen.
Der Kernbereich Hohenzollerns, die Täler der Lauchert, Fehla, Starzel und Eyach, wird erst nach Erlass des Preußischen Kleinbahngesetzes von 1892 für die Eisenbahn erschlossen. Die Baukosten der ab 1907 "Hohenzollernsche Landesbahnen" genannten Strecken tragen der preußische Staat, der Landeskommunalverband und die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft, die als Generalunternehmer für den Bau sorgt und auch die Linien betreibt. Zwischen 1900 und 1912 werden 107,43km Bahnstrecke in Betrieb genommen. Für die wirtschaftliche Entwicklung ist somit eine Infrastruktur geschaffen, die sowohl einen Binnenverkehr ermöglicht als auch Hohenzollern an die überregionalen Eisenbahnlinien anschließt.