Deutscher Zollverein
 
Mitgliedschaft
Die Zugehörigkeit zum Deutschen Zollverein ist dreifach gestuft.
Es gibt erstens die dem Zollverein unmittelbar angehörenden Immediat-Mitglieder, die auf der Generalkonferenz als Einzelne vertreten sind und ein Zustimmungsrecht beim Erlass der Zollgesetze sowie beim Abschluss von Handelsverträgen ausüben. 1834 sind dies Preußen, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Bayern, Württemberg und Sachsen.
Zweitens gibt es eine Gruppe von Staaten, die einen engeren Zollbund eingegangen sind und durch diesen dem Deutschen Zollverein angehören, wie im Fall des Thüringischen Zoll- und Handelsvereins. Rein formell sind zwar die einzelnen thüringischen Staaten Mitglieder des Zollvereins, im Deutschen Zollverein und vor allem auf der Generalkonferenz treten sie jedoch nur mit einer Stimme als Gesamtverband auf.
Die dritte Gruppe bilden eine Reihe von Exklaven oder kleineren selbständigen Gliedstaaten des Deutschen Bundes, die einem größeren Gliedstaat durch Zollanschlussverträge zollrechtlich angegliedert sind, dadurch auch dem Zollverein angehören, aber dort nicht als selbständige Mitglieder geführt werden. Dies ist 1834 für die selbständigen Staaten Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen und Waldeck der Fall, die ebenso eine Zolleinheit mit Preußen bilden wie die zu Mecklenburg-Schwerin gehörenden Exklaven Netzeband und Rossow, die Lippe-Detmolder Exklaven Cappel, Lipperode und Kempen-Grevenhagen, das Hessen-Homburger Oberamt Meisenheim, das Oldenburger Fürstentum Birkenfeld, der Schwarzburg-Sondershausener Landesteil Sondershausen, die Schwarzburg-Rudolstädter Gebiete Frankenhausen, Straußberg und Schlotheim, die Sachsen-Weimar-Eisenacher Exklaven Allstedt und Oldisleben sowie die Sachsen-Coburg und Gothaer Exklave Volkenroda und das Fürstentum Lichtenberg. Desgleichen gehören die Sachsen-Coburg und Gothaer Exklaven Nassach, Erlsdorf und Königsberg zum bayerischen Zollgebiet, Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen zum württembergischen Zollgebiet sowie das kurhessische Schmalkalden und das preußische Erfurt zum thüringischen Zollgebiet.
Bereits unmittelbar nach seiner Gründung erweitert der Zollverein seine Mitgliedschaft. 1836 treten Baden und Nassau bei, ebenso 1836 folgt Frankfurt, das zwar Einzelmitglied ist, sich auf der Generalkonferenz aber durch den nassauischen Bevollmächtigten mitvertreten lässt. Zum 1. Januar 1842 schließt sich Braunschweig als Immediat-Mitglied an, allerdings verbleibt der braunschweigische Harz- und Weserdistrikt beim Steuerverein. Im selben Jahr kommt Lippe-Detmold in Zollunion mit Preußen hinzu. Luxemburg gehört ab 1842 zum Zollverein, hat aber insofern einen Sonderstatus, als es zwar vom Status her Immediat-Mitglied ist, aber jeder Zollvertragsverlängerung durch einen Sondervertrag beitritt und auf der Generalkonferenz von Preußen mitvertreten wird.
Zum 1. Januar 1854 treten Hannover zusammen mit dem in Zollunion verbundenen Schaumburg-Lippe sowie Oldenburg bei. Damit verfügt der Zollverein zum ersten Mal über einen Zugang zur Nordsee. Nach Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 schließen sich Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Lübeck an. Als letzte Staaten treten 1888 Hamburg und Bremen dem Zollverein bei, nachdem ihnen in langwierigen Verhandlungen Freihäfen zugestanden worden waren.

Badischer Kronentaler auf den Zollverein, 1836


Medaille auf den Anschluss Hamburgs an das Zollgebiet, 1888